Zum Inhalt springen
Studien / Hellsehen / Torrance's Creative Motivation Inventory…

Vorahnung? Persönlichkeit als Schlüssel?

Joan Joesting, Robert JoestingPsychological Reports, 1969 Peer-Reviewed
Inhalt dieser Studie
✦ Stell dir vor …

Können kreative Menschen besser Gedanken lesen?

Stell dir vor, du bist in einem Psychologie-Labor der 1960er Jahre, wo Forscher ein Rätsel lösen wollen: Haben kreative Menschen eine Art sechsten Sinn? Wissenschaftler der University of Minnesota versammelten 53 Studenten und unterzogen sie einer ungewöhnlichen Testreihe — sie maßen ihre Kreativität, Neugier und ihren Glauben an ESP, dann testeten sie tatsächlich ihre außersinnlichen Wahrnehmungsfähigkeiten. Was sie fanden, war eine statistische Überraschung, die noch heute für hochgezogene Augenbrauen sorgt.

Kreative Studenten zeigten keine ESP-Fähigkeiten trotz theoretischer Vorhersagen.

1969 fragten sich Forscher an der University of Minnesota, ob hochkreative Menschen stärkere psychische Fähigkeiten haben könnten. Einige Theoretiker hatten vorgeschlagen, dass Kreativität und außersinnliche Wahrnehmung (ESP) gemeinsame mentale Prozesse wie Intuition teilen könnten. Die Forscher beschlossen, diese Idee mit Psychologiestudenten während der Sommersession zu testen.

💡

Die Daten zeigten, dass hochkreative Menschen bei ESP-Tests schlechter abschnitten als ihre weniger kreativen Kommilitonen — das Gegenteil von dem, was die Forscher erwartet hatten.

🔍

Kernerkenntnisse

  • Kreativität und Neugier waren wie erwartet stark verknüpft.
  • Die ESP-Ergebnisse widersprachen jedoch der Theorie: kreativere Studenten schnitten beim ESP-Test tatsächlich etwas schlechter ab, obwohl dieser Unterschied nicht statistisch signifikant war.
  • Die Studie fand keine Unterstützung für die Idee, dass kreative Menschen stärkere psychische Fähigkeiten haben.

Worum geht es?

Die Forscher gaben 53 Psychologiestudenten eine Reihe von Tests und Fragebögen. Die Studenten füllten Torrances Kreativitäts-Checkliste aus, einen für Erwachsene angepassten Neugierdetest und bewerteten ihre eigenen Neugierde-Level. Sie absolvierten auch einen ESP-Test und füllten die 'Schaf-Ziege-Skala' aus, die misst, ob Menschen an psychische Phänomene glauben oder nicht. Die Forscher suchten dann nach statistischen Zusammenhängen zwischen all diesen Messungen.

Methodik

53 Psychologiestudierende füllten Fragebögen zu Kreativität, Neugier, ESP-Einstellungen aus und absolvierten einen ESP-Test, um Beziehungen zwischen diesen Variablen zu untersuchen.

Ergebnisse

Es wurden starke Korrelationen zwischen Kreativitäts- und Neugiermessungen gefunden, aber eine negative (wenn auch nicht signifikante) Korrelation zwischen Kreativität und ESP-Testleistung.

Wie gut ist die Evidenz?

#

Die Kreativität-ESP-Korrelation betrug -.16, was eine sehr schwache negative Beziehung bedeutet. Zum Vergleich: Die Kreativität-Neugier-Korrelation betrug .58, was eine viel stärkere positive Verbindung zwischen diesen konventionellen psychologischen Eigenschaften zeigt.

Anekdotisch5/100
AnekdotischVorläufigSolideStarkÜberwältigend

Befürworter der Psi-Forschung könnten argumentieren, dass Labor-ESP-Tests nicht die subtilen, realen Manifestationen psychischer Kreativität erfassen, und dass die negative Korrelation verschiedene kognitive Stile widerspiegeln könnte. Skeptiker würden darauf hinweisen, dass dies ein Beweis gegen die Kreativität-Psi-Verbindung ist, und bemerken, dass die Daten eher nahelegen, dass kreative Menschen bei ESP-Aufgaben schlechter abschneiden. Beide Seiten könnten zustimmen, dass die kleine Stichprobengröße und das Einzelstudien-Design feste Schlussfolgerungen begrenzen.

↔ Interpretationsspektrum

Mainstream: Diese Studie liefert Beweise gegen eine bedeutsame Verbindung zwischen Kreativität und psychischen Fähigkeiten und unterstützt die Ansicht, dass ESP-Behauptungen keine empirische Grundlage haben. Moderat: Die Studie zeigt keine Unterstützung für die Kreativität-ESP-Verbindung, aber die kleine Stichprobe und das Einzelsitzungs-Design begrenzen breitere Schlussfolgerungen darüber, ob solche Verbindungen unter anderen Bedingungen existieren könnten. Frontier: Labor-ESP-Tests erfassen möglicherweise nicht die reale Beziehung zwischen kreativer Intuition und psychischem Funktionieren, und die negative Korrelation könnte widerspiegeln, dass hochanalytische kreative Menschen bei intuitiven psychischen Aufgaben schlechter abschneiden.

Häufiges Missverständnis

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass kreative oder künstlerische Menschen von Natur aus psychischer sind. Diese Studie legt nahe, dass das Gegenteil wahr sein könnte, oder zumindest, dass es keine positive Verbindung zwischen konventioneller Kreativität und ESP-Testleistung gibt.

Überzeugungskraft-Check
2 von 5 Kriterien erfüllt
Erfüllt2/5
Große Stichprobe (N>100)
Peer-reviewed Fachzeitschrift
Repliziert
Signifikanter Effekt
DOI vorhanden

Um zu klären, ob Kreativität und psychische Fähigkeiten zusammenhängen, bräuchten wir großangelegte Studien mit Hunderten von Teilnehmern, mehreren ESP-Tests, validierten Kreativitätsmessungen und unabhängiger Replikation. Diese Studie liefert einen Datenpunkt, der keine positive Beziehung nahelegt, aber ihre geringe Größe bedeutet, dass die Befunde leicht dem Zufall geschuldet sein könnten.

Zwischen dem TCMI und dem ESP-Test war r negativ (.16)

Position: Skeptisch

Was bedeutet das?

Die faszinierendste Wendung? Kreative Menschen — die wir normalerweise mit 'über den Tellerrand hinausdenken' verbinden — schnitten tatsächlich schlechter bei Tests angeblicher psychischer Fähigkeiten ab und stellten damit die konventionelle Weisheit über künstlerische Intuition völlig auf den Kopf.

Das ist wie zu testen, ob Menschen, die gut im kreativen Schreiben sind, auch gut darin sind, Lottozahlen zu erraten. Die Forscher fanden heraus, dass kreative Denkfähigkeiten sich nicht in psychische Fähigkeiten übersetzen, obwohl einige Theorien nahelegten, dass sie ähnliche mentale Prozesse teilen könnten.

Wenn diese Ergebnisse robust wären, könnten sie darauf hindeuten, dass Kreativität und psychische Sensitivität durch verschiedene mentale Mechanismen funktionieren — oder dass hochkreative Geister tatsächlich stärker in der konventionellen Realität verwurzelt sind, als wir annehmen. Das könnte unsere Vorstellungen über Intuition, künstlerische Inspiration und die Beziehung zwischen verschiedenen Formen nicht-analytischen Denkens verändern.

🎓
Wissenschafts-Tipp

Diese Studie zeigt, dass Korrelation nicht gleich Kausalität ist, und dass negative Ergebnisse (keine Beziehung zu finden) genauso wissenschaftlich wertvoll sind wie positive für das Testen von Theorien.

Begriffe verstehen

📖
Korrelation
Ein statistisches Maß dafür, wie zwei Variablen miteinander in Beziehung stehen, von -1 (perfekte negative Beziehung) bis +1 (perfekte positive Beziehung)
📖
Schaf-Ziege-Skala
Ein Fragebogen, der misst, ob Menschen an ESP glauben (Schafe) oder skeptisch sind (Ziegen)
📖
ESP-Test
Ein experimentelles Verfahren zur Messung außersinnlicher Wahrnehmung, typischerweise durch Versuche, versteckte Informationen zu erraten

Was diese Studie behauptet

Ergebnisse

Eine negative Korrelation von -.16 wurde zwischen Kreativitätsmessungen und ESP-Testleistung gefunden

weak

Die Selbsteinschätzungen der Studenten bezüglich Neugier korrelierten positiv (.47) mit dem Kreativitätsinventar

moderate

Eine signifikante positive Korrelation von .58 wurde zwischen dem Torrance Creative Motivation Inventory und dem Neugierdetest gefunden

moderate

Methodik

Die Studie testete die Hypothese, dass Intuition oder außersinnliche Wahrnehmung mit Kreativität zusammenhängt

moderate

Diese Zusammenfassung dient der allgemeinverständlichen Information über aktuelle Forschung. Sie stellt keinen medizinischen Rat dar. Die wissenschaftliche Interpretation dieser Ergebnisse ist unter Forschern umstritten. Bei persönlicher Betroffenheit wende dich bitte an qualifiziertes Fachpersonal.