Wie die Zukunft unsere Gegenwart beeinflusst
Kann die Zukunft Ihre Reaktionen im Jetzt beeinflussen?
Versuch, 'zukünftige Einflüsse' auf Reaktionszeiten zu replizieren, brachte keine Reproduktion der ursprünglichen Ergebnisse.
2010 entfachte Psychologe Daryl Bem mit Studien, die nahelegten, dass Menschen schneller auf Wörter reagieren könnten, die sie noch nicht gesehen hatten, eine Kontroverse. Vier Jahre später versuchte der französische Forscher Thomas Rabeyron, diesen 'Retro-Priming'-Effekt zu verstärken, indem er die stärksten Performer aus seinem früheren Experiment für eine zweite Testrunde zurückholte.
Kernerkenntnisse
- Der Retro-Priming-Effekt verschwand vollständig.
- Statt schneller auf 'zukünftige' Prime zu reagieren, antworteten die Teilnehmenden tatsächlich etwas langsamer als der Zufall vorhersagen würde.
- Nur 10 der 28 'Hochskorer' zeigten in beiden Studien positive Ergebnisse.
- Die Standard-Priming-Aufgabe funktionierte jedoch normal – ein Beweis, dass die Geräte und Methoden einwandfrei arbeiteten.
- Die Forscher fanden keine psychologischen Merkmale, die die wenigen erfolgreichen Teilnehmenden von den anderen unterschieden.
Worum geht es?
Die Forscher luden 28 Personen zurück ins Labor, die in einer früheren Studie mit 162 Teilnehmenden die stärksten 'Retro-Priming'-Effekte gezeigt hatten. Bei der Computeraufgabe sahen die Versuchspersonen Wörter auf dem Bildschirm aufblitzen und mussten diese so schnell wie möglich als positiv oder negativ kategorisieren. Der Twist: Manchmal wurden die Wörter durch andere Wörter 'geprimed', die in der Sequenz NACH ihnen erschienen – ein unmöglicher kausaler Einfluss, wenn die Zeit nur vorwärts fließt. Die Forscher führten auch einen Standard-Priming-Test durch, bei dem frühere Wörter beim Erkennen späterer halfen, und befragten die Teilnehmenden zu ihrer psychischen Gesundheit, Traumageschichte und ihrem Glauben an paranormale Erfahrungen.
Test-Retest-Design mit Auswahl von High-Scorern aus einer vorherigen Retro-Priming-Studie zur Replikationsprüfung, Vergleich von Retro-Priming mit Standard-Forward-Priming
Negative Ergebnisse für Retro-Priming (Effektstärke = -0.25, nicht signifikant), signifikante Ergebnisse für Standard-Priming (Effektstärke = 0.63, p < 0.1), wobei nur 10 von 28 Teilnehmern konsistente positive Ergebnisse zeigten
Wie gut ist die Evidenz?
Nur 36% der zuvor hochskorierenden Teilnehmenden (10 von 28) zeigten erneut positive Ergebnisse – ungefähr vergleichbar mit dem zweimaligen Werfen einer Münze und zweimal Kopf, was darauf hindeutet, dass die ursprünglichen 'Hochwerte' eher statistische Zufälle als echte Präkognition gewesen sein könnten.
Befürworter argumentieren, dass die Auswahl von Hochskorern ein legitimer Weg ist, um schwache Psi-Signale zu verstärken, die in Bevölkerungsstudien durch Rauschen überdeckt werden könnten, und dass 10 konsistente Performer von 28 weitere Untersuchungen rechtfertigen. Skeptiker entgegnen, dass dies ein Cherry-Picking ist, das die Regression zur Mitte ignoriert, und dass die insgesamt negative Effektgröße (-0,25) darauf hindeutet, dass die ursprünglichen Befunde wahrscheinlich falsch positive Ergebnisse oder statistisches Rauschen waren.
Mainstream: Das Nullergebnis bestätigt, dass retrokausale Effekte nicht real sind und Bems ursprüngliche Befunde statistische Artefakte waren. Moderat: Psi-Effekte existieren möglicherweise, sind aber zu unzuverlässig oder kontextabhängig, um konsistent repliziert zu werden, und erfordern neue methodische Ansätze. Grenzbereich: Das negative Ergebnis spiegelt 'psi-vermittelte Experimentatoreffekte' wider, bei denen die Erwartungen des Forschers die anomale Wahrnehmung unterdrücken, oder dass die Auswahl von Hochskorern andere statistische Schwellenwerte erfordert.
Viele nehmen an, dass eine fehlgeschlagene Replikation einer Psi-Studie beweist, dass das Phänomen nicht existiert. Tatsächlich illustriert diese Studie die 'Regression zur Mitte' – eine statistische Tendenz, bei der extreme anfängliche Ergebnisse bei erneuter Testung naturgemäß durchschnittlicher werden, weshalb unabhängige Replikationen mit neuen Teilnehmenden aussagekräftiger sind als erneutes Testen derselben Hochskorer.
Um Retro-Priming als reales Phänomen zu etablieren, müssten mehrere unabhängige Labore positive Ergebnisse unter Verwendung präregistrierter Protokolle (öffentlich registrierte Analysepläne) replizieren, wobei die Effektgrößen konsistent das statistische Rauschen überschreiten müssten, und erfolgreich vor dem Testen vorhersagen, welche Teilnehmenden hoch skorieren werden. Diese Studie versuchte eine Replikation, erzielte jedoch negative Ergebnisse und erfüllte diese Kriterien nicht.
Die Ergebnisse der gesamten Gruppe bei der Retro-Priming-Aufgabe waren negativ und nicht signifikant (Effektgröße = -0,25, ns)
Position: Skeptisch
Was bedeutet das?
Stellen Sie sich vor, Sie machen einen Probetest, lernen dann das Material und machen dann den echten Test – und schneiden irgendwie beim echten Test besser ab wegen der Übung, die Sie danach gemacht haben. Diese Studie testete, ob solche 'umgekehrten Lern'-Effekte unter sorgfältiger Prüfung bestehen bleiben.
Diese Studie demonstriert die 'Regression zur Mitte' – das statistische Phänomen, bei dem extreme Messungen bei erneuter Testung naturgemäß durchschnittlicher werden, weshalb die Auswahl ausschließlich von Hochskorern aus einer anfänglichen Studie oft zu Enttäuschungen bei Folgestudien führt.
Begriffe verstehen
Was diese Studie behauptet
Ergebnisse
Der Retro-Priming-Effekt war für die gesamte Stichprobe negativ und nicht signifikant (Effektgröße = -0,25) und replizierte den ursprünglichen Befund nicht
weakNur 10 der 28 Hochskorer zeigten in beiden Studien – der anfänglichen und der Folgestudie – positive Retro-Priming-Ergebnisse
weakStandard-Priming (vorwärts) erzielte signifikante Ergebnisse mit einer Effektgröße von 0,63 (p < 0,1), was darauf hindeutet, dass der Versuchsaufbau und die Methoden normal funktionierten
moderateKeine spezifischen psychologischen Variablen (anomale Erfahrungen, psychische Gesundheit, mentale Grenzen, Traumata, negative Lebensereignisse) unterschieden die hochskorierenden Teilnehmenden
inconclusiveMethodik
Die Studie verwendete ein Test-Retest-Design, bei dem Teilnehmende mit den stärksten Retro-Priming-Effekten aus einer früheren Stichprobe von 162 Personen ausgewählt wurden, um eine Replikation zu testen
strongDiese Zusammenfassung dient der allgemeinverständlichen Information über aktuelle Forschung. Sie stellt keinen medizinischen Rat dar. Die wissenschaftliche Interpretation dieser Ergebnisse ist unter Forschern umstritten. Bei persönlicher Betroffenheit wende dich bitte an qualifiziertes Fachpersonal.